Mit der Sonderausstellung „Rally Legends – From Dust to Glory“ feiert das Autoworld Museum in der belgischen Hauptstadt Brüssel noch bis zum 21. April 2025 die Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft. Einen besonderen Platz nehmen zwei Rallyefahrzeuge von Lancia ein, die zu den größten Erfolgen der Marke im Rallyesport beigetragen haben. Mit dem Lancia Stratos HF gewann das Werksteam 1974, 1975 und 1976 die Marken-Weltmeisterschaft. Sogar sechs Mal in Folge fuhren verschiedene Entwicklungsstufen des Lancia Delta zum Titel des Marken-Weltmeisters. Die von 1987 bis 1992 anhaltende Erfolgsserie, zu der zusätzlich vier Titel in der Fahrer-Weltmeisterschaft zählten, stellt einen bis heute gültigen Rekord dar.
Stellantis Heritage, der Organisation zur Bewahrung und Förderung des Erbes der italienischen Marken der Gruppe, stellt zwei Exemplare für die Ausstellung zur Verfügung: einen Lancia Stratos HF von 1974 in der legendären Alitalia-Lackierung und einen Lancia Delta HF Integrale in nicht weniger berühmten Martini-Farben. Beide Weltmeister sind normalerweise im Heritage Hub in Turin ausgestellt.
Weitere Informationen zur Sonderausstellung „Rally Legends – From Dust to Glory“ auf der offiziellen Website des Autoworld Museums.
Lancia Stratos HF in Gruppe-4-Variante (1976)
Mit dem Lancia Stratos HF dominierte die Marke Mitte der 1970er Jahre die Rallyewelt. Der damalige Sportdirektor Cesare Fiorio schöpfte alle Freiheiten des Reglements aus. Unter seiner Leitung entwickelte die Motorsportabteilung das erste Fahrzeug in der Geschichte, das einzig und alleine für den Rallyesport konstruiert wurde.
Das zweisitzige Coupé weist eine von Bertone-Stardesigner Marcello Gandini entworfene keilförmige Karosserie auf. Als Antrieb dient ein von Ferrari stammender 2,4-Liter-Sechszylinder, der zur Gewichtsoptimierung hinter dem Cockpit platziert ist. Zunächst mit zwei Ventilen pro Zylinder gebaut, leistet der Motor in 24-Ventil-Variante bis zu 300 PS Leistung.
Um die Zulassung zum Motorsport (Homologation) zu erreichen, musste die Fertigung von 500 Fahrzeugen nachgewiesen werden. 26 Exemplare aus dieser Produktion wurden vom Werksteam in Rallyewagen nach dem damals gültigen, sogenannten Gruppe-4-Reglement umgebaut.
Zwei Tage nach erfolgter Homologation brachte das Werksteams im Oktober 1974 bei der Rallye San Remo den Lancia Stratos HF erstmals zu einem WM-Lauf. Das italienische Duo Sandro Munari/Mario Manucci gewann die Premiere. Bis in den Sommer 1981 folgten 16 weitere WM-Siege. Lancia sicherte sich in den Jahren 1974, 1975 und 1976 den Titel in der Markenwertung. Munari fuhr im Lancia Stratos HF in der Saison 1977 zum Gewinn des FIA Cups, dem Vorläufer der erst zwei Jahre später eingeführten Fahrer-Weltmeisterschaft. Darüber hinaus feierten Piloten mit dem Lancia Stratos HF drei Titel in der Rallye-Europameisterschaft.
Der im Autoworld Museum ausgestellte Lancia Stratos HF trägt die Farben der damaligen Fluggesellschaft Alitalia, eine der ikonischsten Lackierungen in der Geschichte des Rallyesports. Mit der Besatzung Sandro Munari/Silvio Maiga siegte das Fahrzeug bei der Rallye Portugal 1976. Dieser Lancia Stratos HF ist Teil der Stellantis Heritage Collection und wird normalerweise in der Abteilung „The Rally Era“ des Heritage Hub in Turin ausgestellt.
Lancia Delta HF Integrale in Gruppe-A-Variante (1992)
Nach der Abschaffung der Gruppe B, die in Kleinstserien gefertigte Spezialfahrzeuge zuließen, war ab 1987 in der Rallye-WM die sogenannte Gruppe A die höchste Liga. Lancia war mit dem Modell Delta HF 4WD perfekt vorbereitet. Der laut Reglement in der Serienversion mindestens 5.000 Mal gebaute Viertürer verfügte über einen permanenten Allradantrieb. Ein Zweiliter-Motor mit 165 PS trieb die Serienversion an, in der Rallyeversion leistete der Vierzylinder rund 265 PS.
Lancia gewann in der Premierensaison 1987 neun von 13 WM-Rallyes. Damit ging der Markentitel nach Turin, der finnische Lancia-Werksfahrer Juha Kankkunen wurde Fahrer-Weltmeister. 1988 kam der Lancia Delta HF Integrale auf den Markt. Äußerlich unterschied er sich von der Vorgängerversion durch ausgestellte Radkästen für breitere Reifen und größere vordere Lufteinlässe. Der Lancia Delta HF Integrale verfügte über ein neues Sechsgang-Getriebe, das Gewicht wurde um rund 23 Kilogramm reduziert. Lancia holte erneut den Markentitel, Fahrer-Weltmeister wurde der Italiener Miki Biasion. In der folgenden Saison verteidigten Lancia und Biasion ihre jeweiligen Titel.
Mitte 1989 debütierte der Lancia Delta HF Integrale 16V. Die Weiterentwicklung des Motors von zwei auf vier Ventile pro Zylinder und der damit einhergehende höhere Aufbau erforderte eine charakteristische Wölbung auf der Motorhaube. Der Zweiliter leistete nun rund 295 PS. Zu den technischen Neuerungen zählten außerdem das elektronisch gesteuerte Sperrdifferenzial, der hydraulisch angetriebene Kühlerlüfter, Telemetrie zur Datenerfassung und vor allem eine neue Motorelektronik. Mit dem Lancia Delta HF Integrale 16V sicherte sich das Werksteam 1990 wiederum den Titel.
1991 präsentierte Lancia die letzte Evolutionsstufe, den Delta HF Integrale 16V Evoluzione. Die Kotflügel wurden noch einmal verbreitert, ein verstellbarer Dachspoiler verbesserte die Aerodynamik. Aber die wichtigsten Änderungen fanden sich unter der Motorhaube. Um die Leistung der Gruppe-A-Boliden auf rund 300 PS zu begrenzen, hatte der Motorsportweltverband 1990 sogenannte Luftmengenbegrenzer (Air Restrictor) eingeführt. Auch der Zweiliter-Turbomotor des Lancia Delta HF Integrale 16V Evoluzione erhielt sämtliche Verbrennungsluft durch eine Röhre mit nur 40 Millimetern Durchmesser. 1992 wurde der Ai Restrictor noch einmal zwei Millimeter kleiner.
Lancia meisterte diese neue Herausforderung ohne größere Probleme. Der ins Werksteam zurückgekehrte Finne Juha Kankkunen wurde 1991 wieder Rallye-Weltmeister. Lancia erzielte 1991 und noch ein letztes Mal 1992 den Markentitel. In allen sechs Saisons traten die Werksautos in der Lackierung von Sponsor Martini an, die auch das jetzt im Autoworld Museum gezeigte Fahrzeug trägt.
Die Erfolgsserie des Lancia Delta summierte sich auf sechs Marken- und vier Fahrertitel in der Weltmeisterschaft, außerdem ein WM-Titel in der Gruppe N der seriennahen Fahrzeuge sowie fünf Titel in der Europameisterschaft. Auf WM-Ebene erreichte der Lancia Delta 46 Gesamtsiege und steht damit zusammen mit einem Konkurrenzmodell an der Spitze dieser Statistik.
( Text & Fotos : Lancia Presse- und Öffentlichkeitsarbeit )